Die Natur des Pferdes – Der Rücken

Evolutionsbedingt hat sich der Rücken des Pferdes stark verändert. Das Pferd entwickelte sich vom Blätter und Früchte-fressenden Waldtier mit einem gewölbten Rücken, kurzem Hals, kurze Schnauze, Pfoten, kurze Beine und einem langen Schwanz zum Lauf- und Steppentier. Mit einem langen Schädel, langen Beinen, verschmolzenen Zehenknochen – entwickelt zum Zehengang, einem geraden Rücken. Das Pferd hat somit ein sehr sensibles biologisches System. Eine große Rolle in diesem System spielt der Rücken des Pferdes in seinem Aufbau, seiner Bewegung und seinen Funktionen. Aufgrund seiner komplexen Funktionalität, ist das Pferd häufig von Rückenschäden betroffen.

Rückenschädigungen

Verspannungen und Atrophien sind leider gängige Schädigungen des Pferderückens, aber auch Zerrungen der empfindlichen Dornfortsatzbänder. Entsteht in den Bändern durch Verspannungen der Rückenmuskulatur eine Fehlfunktion, blockieren die Wirbelgelenke und Wirbelschäden können entstehen. Lokaler Schmerz, verbunden mit Schwellungen und Rückbildung der Muskulatur zählen zu den entsprechenden Symptomen. Das Pferd zeigt nicht nur eine Abwehrhaltung bei Druck durch die Bürste beim Putzen, den Sattel und auch beim Reiten, sondern vor allem Fehlbildungen in Muskeln und einen eingeschränkten und schiefen Gang.

Ursachen für Rückenschäden

Rückenschäden können verschiedene Ursachen haben. Ein unharmonischer Körperbau, Unfälle, falsche Sattelanpassung und falsches Training gehören zu den häufigsten Ursachen. Wissenschaftler und Tierärzte haben sich allerdings auch mit Geburtstraumata und Genetik auseinandergesetzt. Je nachdem wie eine Geburt verläuft, kann ein Geburtstrauma zum Beispiel durch einen zu engen Geburtskanal ausgelöst werden. Minimale Knochenverschiebungen und auch psychischer Stress kann sich manifestieren bis das Pferd ausgewachsten ist.

Organische Probleme wie zum Beispiel die Übersäuerung des Magens, erzeugt Verkrampfungen in der Rückenmuskulatur. Generelle Dysfunktionen der Organe führen zu Einschränkungen der Arbeit im faszialen Gewebe, das mit der Rückenmuskulatur verbunden ist. Ist diese gehemmt kann es zu Verspannungen kommen. Durch die Kiefer-Schädel-Rückenmuskelverbindung kann auch ein Problem im Rücken entstehen. Zum Beispiel bei Falschfütterung, wie zu wenig Raufutter, zu kurze Fress- und Kauphasen legen die Kiefertätigkeit lahm. Eine Einschränkung in dieser Muskulatur und dem Zungenbein, schränkt die Bewegung und damit die Bewegungsmuskulatur des Rückens ein.

Anatomie des Pferderückens

Der Pferderücken besteht aus der Brust- und Lendenwirbelsäule, sowie dem Kreuzbein. Die Dornfortsätze der 15 vorderen Brustwirbel sind in Richtung Hinterhand ausgerichtet und die letzten Brust- und Lendenwirbel in Richtung Vorhand. Diese Neigungen unterstützen die Aktivität der Muskeln und der Bänder der Oberlinie. Das dient der Muskel, Faszien- und Bändertätigkeit für die Vorwärtsbewegung. Die Neigung der Dornfortsätze nach vorn dient der Weiterleitung der Schubkraft. Die Neigung der Dornfortsätze nach hinten, dient der Stabilisierung der Schubkraft. Die Wirbel sind über Wirbelgelenke miteinander verbunden. Diese lassen die laterale Beweglichkeit, sowie Dehnung und Beugung der Wirbelsäule in der Vorwärtsbewegung zu. Die einzelnen Dornfortsätze und Wirbelansätze sind mit sehr festen kurzen Bändern, den Zwischendornfortsatzbänder verbunden. Neben den kurzen Bändern gibt es lange, die Überdornfortsatzbänder und das ventrale Längsband. Die Bänder der Wirbelsäule stabilisieren diese zusätzlich zur Rückenmuskulatur. Sie bilden ein festes Geflecht zwischen den einzelnen Wirbeln und Abschnitten und sorgen so für die benötigte Stabilität. Je nach Lage haben sie hierbei unterschiedliche Aufgaben. Einige von ihnen begrenzen die Bewegungen, andere sorgen eher für eine Aufrechterhaltung der Wirbelsäule. Sie entspannen beim Heben des Halses und spannen an, wenn der Hals gesenkt wird. Die obere Verspannung bildet die Verbindung aus dem Nackenstrang (Nackenplatte, häufig nicht mit C 6 & 7 verbunden), den Überdornfortsatzbänder, den Zwischendornfortsatzbänder sowie verschiedenen Muskel-Faszien der Oberlinie. Sie verbinden das Occipitalgelenk, die oberen Enden der Dornfortsätze mit der Hinterhand. Wir unterscheiden zwischen der Rückenmuskultur in ihrem Ursprung und der verbindenden (Zusammenhang mit den Bändern). Der Hauptmuskel ist der M. longissimus dorsi, der längste Muskel, der das Dreieck an den Dornfortsätzen T3-12 des Widerrists füllt und bis zum Occipitalgelenk reicht. Verbunden mit dem M. Longissimus dorsi sind die Muskeln des Beckengürtels („Ilio-Psoas“), unterhalb der Wirbelsäule, vom Oberschenkelknochen zu den Brustwirbeln.

Funktionen des Rückens

Der Rücken ist für den Schutz des Rückenmarks, des Herzens und der Lunge durch die Verbindung der Brustwirbel mit den Rippen zuständig. Ebenso sorgt er für die Befestigung der Organe. Die Hinterbeine sind über das Kreuzdarmbeingelenk mit dem Rücken verbunden. Mit dieser Verbindung ist die Rückenmuskulatur in der Lage, die Bewegung (z.B. Trab) zu initiieren: Die einseitige Streckung des Hinterbeins initiiert das Anschieben und Stemmen durch das Abdrücken der Zehe. Der lange Rückenmuskel spannt auf dieser Seite an und die Bauchmuskulatur entspannt. Diese Funktionen kippen das Becken vor und die Hinterhand baut Druck nach oben auf, um dann herauszuschieben. Die anderseitige Dehnung der Rückenmuskeln und Spannen des Bauchmuskels initiiert das Heben des Hinterbeins. Auf der angespannten Seite schließen sich das Iliosakral- und Lumbosakralgelenk, auf der gedehnten Seite öffnet sich dieses. Die Schließung des Iliosakral- und Lumbosakralgelenks führt zur Weiterleitung der Schubkräfte. So wird die Körpermasse in Richtung diagonales Schultergelenk verschoben. Dabei schwingt der Rumpf unterhalb des Rückens vor das ausgestreckte, schiebende Hinterbein und weicht dem angehobenen aus. Der Schwerpunkt rückt nach vorn, die Vorhand wird be/überlastet und zieht die gesamte Masse vorwärts. Dabei führt die obere Verspannung die Stabilisation der Organe durch.

Gesundheitsverbesserndes Training des Pferdes

Das Pferd hat sich im Evolutionsprozess zu einem komplexen Lauftier entwickelt. Hinzu kommt, dass jedes Pferd eine andere Lebensgeschichte, einen anderen Körperbau, ein einzigartiges psychisches und physisches System hat. All das und das Erhalten der Rückenfunktionen muss in die Entwicklung des gesundheitsverbessernden Trainingsprogramms des Pferdes mit einbezogen werden. Das Training muss darauf ausgerichtet sein, dass das Pferd vorerst seinem natürlichem Bewegungsablauf mit natürlichem Körperverhalten folgen kann. Schon dies ist häufig ein Thema, da das Pferd beim Anreiten ggf. nicht gelernt hat, seinen natürlichen Prozessen weiterhin zu folgen. Oder es wurde aufgrund von falschen Trainingsansätzen verhindert. Es besteht der Irrglaube, dass nur eine tiefe oder vorrangig gerundete Genick- und Halshaltung zu gesunden Prozessen im Pferderücken, wie dem Aufwölben des Rückens, beim Reiten führt. Der Grund ist, dass die häufigste Kompensationsreaktion auf das Reitergewicht, das Verspannen der Rückenmuskulatur ist. Leider wird dabei nicht beachtet, dass die Muskeln, die den Reiter tragen (M. Trapezius, M. Rhomboideus Cervicis-Thoracis, M. Serratus Ventralis, M. Latissimus dorsi), erst gestärkt werden müssen, bevor an der Rundung des Halses und dem Feintuning dieser Muskeln gearbeitet werden kann.