Franziska Löhr, Deutschland

Aspar, Islandpferd

Es ist schwierig zu sagen, wann die Geschichte von Aspar und Nicole eigentlich beginnt, denn die Trainer-Pferd-Beziehung der beiden hat eine längere Vorgeschichte:
Aspar war bis zu einer schicksalhaften Woche im Juli 2016 ein 11-jähriger, pfiffiger, wenn auch etwas guckiger und manchmal leicht stressbarer Islandwallach, mit dem ich bis dahin allein und in Gruppen viele, schöne und lange Ausritte unternehmen konnte und der immer zu mir hielt. Er lebte in einem Offenstall und war der Erste – oder jedenfalls einer der Herdenchefs.

Der Stress begann als im Juli 2016 ein neuer, kräftiger Wallach in die Offenstall-WG einzog und sofort sehr deutlich mit Schicken und Treiben aller Herdenmitglieder die Chefposition für sich beanspruchte. Dem Führungsanspruch des Neuen gaben alle Pferde bis auf Aspar schon nach wenigen Tagen nach. Aspar und der Neue kämpfen jedoch tags und nachts hart um die Rangfolge und es passierte sogar, dass sich rangniedrigere Tiere hinter Aspar versteckten, wenn sie des ständigen Schickens müde wurden. Als der Neue nach einer Woche des Integrationsversuchs und einer letzten lauten Kampfesnacht wieder ausziehen musste, weil klar wurde, dass keines der beiden Pferde bereit sein würde, auf den ersten Rang zu verzichten, ging ich davon aus, dass die Sache sich damit erledigt habe. Stattdessen aber begannen die Probleme nun erst richtig. Aspar wollte unter keinen Umständen mehr seine Herde verlassen, er riss sich regelmäßig vom Führstrick los, um zurück zum Paddock zu rennen. An Ausreiten oder auch nur Reiten auf einem unbegrenzten Springplatz war nicht mehr zu denken. Stets ging es ohne Beachtung jedweder reiterlichen Einwirkungsversuche rasant zurück zur Herde. Der Reiter war nur noch Passagier. Ich war verzweifelt und mit jedem weiteren Tag wurde es schlimmer. Wo war mein zwar etwas nervöses aber doch verlässliches Freizeit-Pony geblieben?

Nach einem Monat ohne Besserung erinnerte ich mich in hoher Not an einen Horsemanship-Kurs, den Aspar und ich einmal bei Helmut Bramesfeld mitgemacht hatten, und bat Helmut um Hilfe. Wir hatten Glück und Aspar und ich arbeiteten fünf Tage am Stück mit Helmut. Vielen neue Erlebnisse, Erkenntnisse und Lösungsansätze ebneten uns den Weg. Unser weiterer Alltag war nun geprägt von Horsemanship-Arbeit. Wir machten deutliche Fortschritte und auch das Reiten wurde wieder möglich. Aber herunter vom Hof kamen wir weiterhin weder allein noch in Begleitung anderer Pferde. An der Hofgrenze schaltete Aspar wieder den inneren Schalter um. Er weigerte sich nachdrücklich, den Hof zu verlassen und benahm sich geradezu hysterisch.

Helmut half uns ein weiteres Mal im Dezember 2016 vor Ort und empfahl uns nun Nicoles Arbeit für die Gesundheit des Pferdes. Aspar sollte so seine physische Stärke aufbauen und damit auch seine psychische Stärke zurückerlangen.

Seitdem trainieren Aspar und ich bei Nicole. Sie schaffte es, mit Langmut, Stetigkeit und Verständnis für seine Ängste den panisch angespannten Aspar zu entspannen und ihm als Naturtölter einen schwingenden Trabrhythmus mit gesenktem Kopf und aufgewölbtem Rücken zu vermitteln. Lange hatte ich Aspar nicht mehr kauen gesehen und abschnauben gehört. Es war einfach schön das wieder zu erleben. Heute ist Aspar konzentriert bei der Sache, hört zu und möchte alles richtig machen.

Das Training bestand und besteht bis heute einer ganzheitlichen Arbeit von Gymnastizierung und Horsemanship. Dabei arbeitet Nicole mit Aspar allein oder setzt ihr eigenes erfahrenes, sehr verständiges „Pferde-Therapiepferd“ Minero zur Entspannung der Mensch-Pferd Atmospäre ein. Natürlich nehme auch ich bei Nicole Trainingseinheiten mit Aspar, um meine eigenen Fähigkeiten zu verbessern. Ich denke, Aspar und ich sind inzwischen weit gekommen. Jedenfalls hören wir das immer wieder von Mitreitern, die das ganze „Theater“ mitverfolgt haben und sich nun mit uns freuen wie gut sich alles nach einem Jahr entwickelt hat. Aspar hat sein zuvor verlorenes Vertrauen in die Welt und mich wiedererlangt (auch Ausritte sind wieder möglich) und ich habe so viel mehr über Pferde, deren Verhalten, ihre Sprache, die Beziehung zwischen Mensch und Pferd, pferdegesundes Reiten und das große Wertschätzen kleiner Fortschritte gelernt als in allen Jahren zuvor.
Auch wenn es anstrengende und nervenzehrende Monate mit diversen Verzweiflungsmomenten waren, bin ich Aspar inzwischen dankbar, dass er mir diese Fortbildung bei Nicole quasi „aufgezwungen“ hat. Sie hat mir immer das Vertrauen gegeben, dass Aspars Lage nicht aussichtslos ist und sie hat Recht behalten. Wir möchten auch in Zukunft ihre Expertise und ihren Beistand nicht mehr missen! Mein Dank gebührt natürlich auch Helmut Bramesfeld, der sich Zeit für uns nahm, als wir nicht mehr weiter wussten, uns die ersten wesentlichen Schritte wies und uns letztlich mit Nicole zusammenbrachte.

Franziska Löhr
Langeln, Schleswig-Holstein, Deutschland

Janna Steffens, Deutschland

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