Wie vertiefe ich die Beziehung zu meinem Pferd? Part II

Kommunizieren und Führen – Was macht eine natürliche Führungskraft aus?

“Natürliche Führung” ist eine symbolische Bezeichnung. Symbol heißt im ursprünglichen Wortsinn “Zusammenfügung”. Die Arbeit zum Kommunizieren und Führen beinhaltet das „Zusammenfügen“ von Mensch und Pferd.

Da das Pferd in unseren Lebensraum integriert wurde, sind wir Menschen gefordert, als natürliche selbstsicherer Führer pferdegerecht, respektvoll und kenntnisreich mit ihm umzugehen und zu lernen, ihnen ein guter Partner zu sein.

 

Was macht einen Menschen aus, der sein Pferd natürlich und selbstsicher führt?

Authentische Emotionalität, Selbstreflexion und Gefühlsbewusstsein

Selbstmanagement und Selbstreflektion sind absolute Voraussetzungen, um authentisch in der Kommunikation mit dem Pferd zu sein. Es ist wichtig, sein eigenes Verhalten und auch seine Emotionen immer wieder zu betrachten und ggf. auch zu hinterfragen. Warum reagiere ich unsicher, gestresst oder sogar wütend in der Kommunikation mit meinem Pferd?

Wir stehen im Umgang mit unserem Pferd immer wieder vor neuen Herausforderungen, die uns an unsere Grenzen bringen. In solchen Situationen übernehmen unsere Emotionen das Ruder – ob wir wollen oder nicht. Wenn wir uns und unser Verhalten bewusst reflektieren, können wir lernen, unsere Verhaltensmuster zu erkennen und die Dinge mit dem nötigen Abstand betrachten, um auch in Stresssituationen gelassen zu reagieren.

Selbstreflexion kann man üben

Das kritische Auseinandersetzen mit sich selbst braucht Übung, Geduld, Zeit und Ehrlichkeit.

Gerade in stressigen Situationen oder bei Konflikten mit unserem Pferd neigen wir dazu, besonders impulsiv zu handeln. Wir brauchen einiges an Übung, um in herausfordernden Situationen reflektiert handeln zu können. Beginnen kann man damit, an der Entspannung zu arbeiten und den Tag oder das Zusammensein mit dem Pferd Revue passieren zu lassen. Was ist positiv gelaufen? In welchen Situationen haben Sie nicht so reagiert, wie Sie es gerne möchten? Was genau möchten Sie an Ihrem Verhalten ändern? Betreiben Sie auch Ursachenforschung: Woran könnte es liegen, dass Sie in bestimmten Situationen aus Ihrer Sicht nicht zufriedenstellend reagieren? Manchmal hilft es, Gedanken aufzuschreiben.


Die Rolle des Führenden

Bin ich in der Lage, die Reflexion mit mir selbst zu gehen und authentisch zu handeln, bin ich einschätzbar für das Pferd. Jedoch muss ich mich wohl fühlen, denn nur, wenn man sich in der Rolle des natürlichen Führers zu 100% bestätigt fühlt, spürt das Pferd das und wird dem Menschen vertrauen.


Situative Führung

Situative Führung bedeutet, dass man seinen Führungsstil immer dem Pferd und vor allem dem Moment, der individuellen Situation nach, anpasst. Das Wählen des richtigen Führungsstils erfordert Geschick, Flexibilität und Intuition.

Selbstbewusstsein stärken

Natürliche Führungskräfte fördern das Pferd in seinem Selbstbewusstsein und Potenzial. Dazu gehört auch, dem Pferd die Möglichkeit zum Führen zu geben. Verteilt man Führung gleichmäßig auf fruchtbarer Erde, fördert sie Wachstum und beginnt im Selbstbewusstsein zu erblühen.

Informationsfluss sicherstellen

Die Weitergabe und die Zirkulation von Informationen ist eine der wichtigsten Regeln überhaupt. Werden Informationen zurückgehalten, schränkt es Maßnahmen, die auf die Kooperation, Koordination und Kommunikation von Pferd und Mensch basieren, ein.

In manchen Situationen zurückhalten

Man muss nicht jeden Schritt planen und jede Aktion kontrollieren. Manchmal muss man loslassen und Fehler zulassen. Das ist ein Zeichen von Vertrauen.

Für die natürliche Führung und Kommunikation ist von entscheidender Bedeutung die Bereitschaft, im Rahmen des Kommunizierens mit dem Pferd zu lernen und zu wachsen, die Auswirkungen des eigenen Verhaltens zu kennen. Erst wenn man sich selbst genau kennt, entsteht Authentizität in der Sprache. Dann erst versteht uns das Pferd richtig, ist in der Lage, mit uns eine Verbindung einzugehen.

Hilfsmittel und die Körpersprache

Das Arbeit an der Kommunikation und natürlichen Führung dient dem Verbindungsaufbau von Pferd und Mensch. Im Umgang mit Hilfsmitteln muss es um Kontinuität, Gefühl, Timing und Balance im Einklang mit dem Pferd gehen.

Die Körpersprache

Die Körpersprache ist bei jedem Lebewesen die äußere Darstellung der inneren Haltung. Alles, was wir mit unserem Körper tun, hat seinen Ursprung in uns, und mehr als die Hälfte unserer Wirkung wird durch unsere Körpersprache bestimmt. So liest das Pferd die Sprache des Menschen, weshalb eindeutige Gesten und Bewegungen sowie das Konzentrieren auf Entscheidendes sehr wichtig sind. Unruhige Bewegungen deuten auf Unentschlossenheit, Nervosität oder Zaghaftigkeit hin. Das Überschreiten von Distanzzonen und die Ausweitung des eigenen Raumes, von welcher Seite sie auch ausgeht, stellt einen Eingriff in die Intimsphäre dar. Ein respektvoller Umgang und innere Ruhe sind elementar, wobei darauf zu achten ist, dass der Mensch nicht durch zu viel körpersprachliche Bescheidenheit zu weich wirkt und dadurch an Akzeptanz verliert. Authentizität führt immer zum Erfolg.

Knotenhalfter

Das Knotenhalfter sollte nicht zu dick oder zu groß, weich und nachgiebig sein und die Knoten sollten an den richtigen Stellen liegen, um die empfindlichen Gesichtsnerven nicht zu überlasten. 

Arbeitsseil

Das Arbeitsseil darf bis zu 4m lang sein, um eine gewisse Kontrolle zu haben, gleichzeitig aber auch Freiraum geben zu können.

Stick

Der Stick dient der Unterstützung der menschlichen Körpersprache und dessen Intensivierung, sofern erforderlich.

„Die Fähigkeiten eines natürlichen Führers erkennt man an seiner Fähigkeit, die Fähigkeiten seines Pferdes zu erkennen.“

 

Nicole Weinauge

 

 

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